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Neurodermitis

 

Ich habe lange überlegt, was ich euch präsentiere als 300. Bericht. Soll es ein Test sein, etwas persönliches, etwas über die Familie?

 

Aus gegebenen Anlass habe ich mich also für etwas persönliches entschieden.

 

Ich denke, jeder hat so seine Probleme. Ob mit dem Körper, mit dem Gesicht, etwas ist zu klein, etwas ist zu groß, da fehlt was, da ist zu viel…

 

Im großen und ganzen bin ich recht zufrieden mit mir. Klar gibt es auch einige Sachen, die meiner Meinung nach anders / „besser“ sein könnten. Glück habe ich mit meinen Genen gehabt, denn so viel, wie ich manchmal esse, müsste ich mindestens das Doppelte wiegen.

Auch drei Schwangerschaften gingen an mir natürlich nicht spurlos vorbei. Dennoch muss ich sagen, das ich froh bin, so gut wie alles essen zu können und ohne Sport (außer der tägliche Horror hier zu Hause) nicht zu viel zuzunehmen. Ich esse aber auch einfach viel zu gerne…

 

Mit meinen Haaren bin ich zufrieden. Sie wachsen fleißig, sehen auch relativ gesund aus, auch wenn sie es nicht unbedingt sind und lassen sich auch leicht pflegen.

 

Nägel wachsen toll, zumindest nehme ich das so wahr. Also eigentlich rundum alles „zufriedenstellend“.

 

Warum nun aber dieser Post?

 

Ich habe seit meiner Geburt einen ganz miesen Feind an meiner Seite. Dieser kommt und geht, wie er möchte und lässt mich manche Tage einfach nur noch verzweifeln.

 

Dieser Arsch, der sich Neurodermitis nennt, kommt meist im Sommer richtig zum Vorschein. Klar, warum auch nicht? Ist ja nicht so, dass es warm ist und man automatisch mehr Haut zeigt als im Winter. Da hat er sich die richtige Jahreszeit ausgesucht. Er muss sich ja auch fein zeigen können.

 

Im Moment ist es wieder der totale Horror. Gesicht, Hals, Kopfhaut und die Arme schreien regelrecht: „KRATZ UNS AUF!“

 

Es fällt mir schon verdammt schwer, tagsüber die Kontrolle darüber zu behalten und nicht alles „kaputt“ zu machen durch die liebe Neurodermitis. Auch alle möglichen Cremes helfen gar nicht bis geringfügig/kurzzeitig.

Und da auch ich im Sommer schwitzte (man mag es ja kaum glauben) ist alles noch bedeutend nerviger, schlimmer, brennender und einfach nur zum heulen.

 

Nun kann ich den ganzen Tag ganz tapfer durchhalten und keine neuen Stellen produzieren oder aber alte wieder aufkratzen… Aber in der Nacht ist da einfach keine Kontrolle vorhanden.

So wache ich manchen morgen mit Kratzspuren auf, als hätte mich jemand in der Nacht misshandelt.

Immer wieder und überall tauchen gerade über Nacht neue Stellen auf, was den nächsten Tag nicht bedeutend besser oder erholsamer macht.

 

Wie schon gesagt, habe ich es seit der Geburt. An meine Kindheit erinnere ich mich gerne zurück, ab der Oberschule eher weniger.

Von der Grundschulzeit und früher kann ich mich nur geringfügig erinnern, dass ich damit arge Probleme hatte. In der ersten Klasse habe ich deswegen sehr viel gefehlt, war im Krankenhaus, wurde von oben bis unten mit irgendeinem grünen Zeug eingeschmiert, was das Jucken dennoch nicht verhindert hat. Dennoch war ich glücklich, hatte meine Freunde, keiner hat mich blöde angeschaut oder hatte gar Probleme damit.

 

Später in der Oberschule war es doch schon anders. Nicht unbedingt wegen den anderen, aber ich entwickelte einen gewissen Scham wegen der Haut. Sportunterricht ging dabei noch. Da hieß es, schnell Hose aus und schnell wieder an. Schwimmen war da für mich der Horror. Ganz schlimm. Ich bin absolut nicht der Meinung, dass man diesen aus der Schule verbannen sollte… aber ich habe es mir gewünscht. Oft hatte ich eine Entschuldigung, meine Regel oder mein Schwimmzeug vergessen.

 

Die Sommer waren schlimm. Alle in kurzen Sachen und ich? Lange Hose und meist noch etwas über die Arme, sodass auch niemand etwas sieht. Dementsprechend habe ich natürlich noch mehr geschwitzt, was die Sache auch nicht besser machte, aber so habe ich mich trotzdem wohler gefühlt.

 

Heute gehe ich teilweise gelassener ran, zeige auch mal Haut, die betroffen ist. Im Moment jedoch wieder weniger, weil es einfach wieder extrem ist und ich mich so absolut nicht wohl fühle.

 

Das Schlimme ist ja, keiner weiß, was das ist und denken womöglich, dass es ansteckend ist oder ähnliches. Ich wurde bisher noch nie darauf angesprochen oder so, aber das sind so die Gedanken, die in einem herumschwirren und die verdammt schwer sind abzustellen.

 

Strand? Niemals. Kurze Hose oder Rock ohne Strumpfhose? Sehr selten. Am liebsten auch immer mit Pulli oder zumindest so, dass die Arme abgedeckt sind.

 

Und auch wenn es mal nicht so schlimm ist oder gar weg (ja auch solche Zeiten habe ich glücklicher Weise) kann man die Haut einfach nicht wirklich vorzeigen, da Narben ohne Ende vorhanden sind. Keine tiefen oder schlimmen (wobei davon auch 2 3 vorhanden sind) aber viele. Damit habe ich mich aber mittlerweile ebenfalls arrangiert und zeige dies auch. Es ist ja auch nicht so, als wenn jeder, der nur an mir vorbei läuft, diese sofort sieht. Aber auch dieser Prozess hat ewig gedauert.

 

Was will ich euch mit diesem Bericht sagen?

 

Wie oben die Überschrift schon sagt: Nobody is Perfect… und niemand wird es je sein.

 

Es gibt einfach Probleme, die jemand anderes nicht nachvollziehen kann und diese deshalb „runterspielt“. Ich möchte damit nicht sagen, dass es keine schlimmeren Krankheiten gibt. Die gibt es, mehr wie genug!

Dennoch ist diese, und ich stecke in der Haut, einfach furchtbar. Wie jede andere Krankheit auf ihr eigene Art und Weise einfach abartig und sie quält mich.

 

Sprüche wie: „Lass doch mal das Kratzen sein!“ „Hör doch mal auf!“ „Das ist doch nicht so schlimm.“ „Reiß dich zusammen.“ Und und und… Der Höhepunkt: „Es gibt schlimmeres.“

Die sind furchtbar. Es nervt und von Hilfe in irgendeiner Form ist absolut nicht zu denken. Man kann mir dabei nicht helfen, das weiß ich, aber man kann solche Sprüche lassen.

 

Ihr müsst die Problemzonen anderer nicht verstehen, ob nun körperlich oder durch Krankheiten. Ihr müsst sie einfach nur akzeptieren. Keiner verlangt, dass ihr helfen könnt / müsst. Keiner möchte Mitleid und keiner braucht unbedingt Verständnis, einfach akzeptieren.

Das gilt auch für zum Beispiel Personen, die in unseren Augen schlank sind, aber sich dennoch unwohl mit ihren Problemzonen fühlen. Für in unseren Augen bildhübsche Menschen, denen aber ihre Nase nicht gefällt. Jeder hat eine andere Baustelle, die man nicht verstehen, aber einfach akzeptieren muss, egal ob durch Krankheit oder nur rein optisch. Es gibt in dem Moment einfach „nichts schlimmeres“, weil sich diese Person damit unwohl fühlt.

Dies ist nun mal ein etwas anderer Bericht. Ich hoffe, ich verschreck damit nun auch niemanden.

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Categories: Neurodermitis, privat Tags:

25 thoughts on “Nobody is perfect oder Neurodermitis ist ein Arsch”

  1. Hallo Miriam. Es ist mutig über deine Erkrankung zu schreiben und den Lesern auch zu zeigen, wie dich deine Krankheit im Alltag begleitet und es nicht immer einfach ist, damit unzugehen und zu leben. Ich kenne es sehr gut, wenn auch mit einer anderen Erkrankung über die ich auch auf meinem Blog schreibe. Du erkennst aber sehr gut, worauf es ankommt. Was Andere sagen vorallen Fremde, kann dir egal sein. Ich beneide diese Leute eher immer darum, dass sie gesund sind….Sichtig ist die Unterstützung und der Zusammenhalt in der Familie. Ich wünsche dir alles Gute! Lg Nadine von Nannis Welt

  2. „Nicht kratzen“… jaja, wenn das nur so einfach wäre ^^ es tut in dem Moment einfach so unfassbar gut. Und grade wenn es so warm ist und man schwitzt wird das ganze zur Hölle, das kenne ich leider gut 🙁
    Momentan hilft bei mir Elidel dagegen, außer auf der Arbeit ist es mir auch egal, ob man es sieht oder nicht. Die Fragen ob man Drogen nimmt oder eine ansteckende Kranheit hat sind manchmal fies… „nein, ich habe nur gekratzt“.

    Liebe Grüße,
    Annika

    1. Das dachte ich mir immer beim Blitspenden. Irgebdwann muss doch mal die Frage kommen, ob ich nicht Drogen nehme oder so. Aber die kannten wohl das Aussehen und wussten, dass es eine Krankheit ist 😂
      Also zum Glück wurde ich mit sowas weitesgehend verschont.
      Man baut sich aber dennoch schon was auf und ist für jeden Kommentar gewappnet.

  3. Ich fühle mit dir…hab’s auch schon seit ich klein bin…mir hilft momentan leider nur Kortison, zwar keine Lösung aber das machts wenigstens tragbar! Ich wünsch dir alles Gute, toller Artikel!!

  4. Wow was für ein ehrlicher privater Bericht! Ich konnte mich in so einiges reinfühlen. Ich hatte ab der Oberschule mit meinem Übergewicht und Hänseleien der anderen zu kämpfen, kurze Kleidung, Sport und vor allem Schwimmen waren Horror. Dank einer leichten Wasserallergie, die sich Gott sei Dank einstellte und dem daraus resultierendem juckendem Ausschlag an den Händen, konnte ich mich auch oft vorm Schwimmen drücken. Ich habe auch noch sehr trockene empfindliche Haut und kenne das, wenn man morgens mit komischen Kratzern aufwacht, meist auf dem Rücken (keine Ahnung wie ich das anstelle). Hast du es schon mal mit Baumwollhandschuhen probiert? Diese weißen, die man auch anzieht, wenn Creme über Nacht in die Haut einwirken soll. Ist zwar lästig, behindert aber das nächtliche Kratzen, zumindest meine Erfahrung, wenn die Hände mal wieder extrem jucken. Fühl dich gedrückt,
    Anne 🙂

  5. Toller ehrlicher Bericht 🙂
    Aber stimmt schon. .Warum immer im Sommer wo man automatisch mehr haut zeigt 😅
    Bei mir ist zwar auch hier und da etwas was ich hasse, aber bin im Grunde zufrieden 🙂
    Ich bekomme im Gesicht ab und zu trockene Haut und das sieht man extrem.kann nix dagegen machen. .Es kommt und geht ohne Grund 🙂

  6. Oh nein. Du arme.
    Mein Mann hat als Kind und Jugendlicher auch ganz ganz arg Neurodermitis gehabt. Mein Sohn als er noch kleiner war. Was ihm sehr gut geholfen hat war Kamillosan Salbe aus der Apotheke. Probier es doch auch mal aus.

  7. ich hab als Kind und als junge Erwachsene auch sehr unter Neurodermitis und hauffenweise Allergien gelitten. Ich kenne auch den Tag, an dem meine Neurodermitis und einige meiner Allergien verschwunden sind: Meine Hochzeit.
    Ich weis nicht wie es funtkioniert hat, aber es hat und nun über 30 Jahre später hab ich ab und an mal mit Hautproblemen zu kämpfen, aber eher selten.
    Ich hatte damals ganz offene nässende Hände und war dann total verzweifelt weil ich Angst hatte der Ring könnte dann nicht über den Finger passen und das ich ihn gleich wieder ausziehen müsste weil es nur juckt. Auf jeden Fall hab ich abends ein Stossgebet gen Himmel geschickt und gebeten das mir die Neurodermitis genommen wird. Ich hatte die nächste Zeit so viel zu tun und vorbereiten, das ich gar keine Zeit hatte auf meine Hände zu achten.
    Als wir in die Kirche einliefen und mir meine Hände einfielen, hatte ich nicht mal mehr sie Spur einer Entzündung.
    Seit diesem Tag hab ich keine Nacht mehr damit verbracht meine Finger wund zu scheuern.
    Ich weis auch nicht warum so was bei mir funktioniert, ich bin auch nicht sehr gläubig oder so.

  8. Ich kann dich sehr gut verstehen! Habe seit Jahren Schuppenflechte und es juckt echt schrecklich! Man fûht sich nicht wohl und ist auch unzufrieden!
    Ablenken und eincremen …
    Lg Carmen

  9. Was für ein Bericht…wow
    Habe zwar keine Neurodermitis,aber so genannte Problemstellen,kann also ein wenig verstehen was du meinst.
    Andere müssen einen auch nicht verstehen sondern nur man sich selbst.

    Liebe Grüße =)

  10. Hallo Miriam,

    Toller Bericht mit einem „beschissenen“ Thema und toll, dass du darüber geschrieben hast.
    Ich habe selbst mehrere autoimmune und chronische Erkrankungen und kenne ALLE diese Sprüche, die manchmal traurig und verletzend sind und manchmal wütend machen wegen der absoluten Unwissenheit.
    Nein, du bist nicht ansteckend und ja, du bist hübsch und liebenswert! Ja, du bist stark und manchmal vielleicht auch schwach und das heißt du lebst.
    Du hast es seit deiner Geburt und dein Umfeld sollte es verstehen, werden manche aber manchmal trotzdem nicht. Auch bei Neurodermitis fällt sicher oft der Spruch „es gibt Schlimmeres“ etc…nur Menschen, die selbst „Leiden“ können nachempfinden wie belastend und einschränkend manche Erkrankungen sein können.
    Ich drücke dich einfach mal und sende dir liebe Grüße.
    Schönes Wochenende,
    Marion (Motte😉)

    1. Vielen lieben Dank für deinen Kommentar!
      Ja, jede Krankheit ist auf ihre Art einfach nur belastend! Da kann man es noch so sehr runterspielen, wie man möchte… 😐

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